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Glen Grant - Unternehmergeist par excellence

Von Gordon Liddell, Copyright 2002 The Scotch Malt Whisky Society

Zu einer Zeit, da der Staat uns alle zum selbständigen Unternehmer bekehren möchte, bietet die Geschichte von Glen Grant ein schönes Beispiel. Es zeigt unter anderem, dass man eine angeborene Neigung zum Geschäftemachen haben muss.

Noch bevor die Destillerie 1840 von James und John Grant eröffnet wurde, kaufte James, ein Rechtsanwalt aus Elgin, allen legal und illegal in der Gegend gebrannten Whisky und verkaufte ihn als "schwarz Gebrannten" an naive Käufer im Lowland, die meinten, ein Schnäppchen zu machen. Ausserdem hatte James Grant bei allen Geschäften stets eine Hundertpfundnote bei sich-wohl wissend, dass der Käufer auf eine so grosse Summe wahrscheinlich nicht herausgeben konnte, aber ihm in gutem Glauben Kredit gewähren würde. In ähnlicher Weise besserte John sein Einkommen als Getreidehändler auf, indem er mit illegal gebranntem Whisky handelte.
Beide Männer genossen es, andere auszutricksen, aber verstanden auch, ihre Chance für eine kühne Investition zu nutzen. Nach sechs Jahren Erfahrung als Mitbesitzer der Aberlour Distillery pachteten sie Land am Rand des Dorfes Rothes in Morayshire und bauten Glen Grant. Als sich ein Erfolg des Unternehmens abzeichnete, wurde John zum grössten Aktienbesitzer der Eisenbahn von Morayshire, während 1844 James Mitglied des Elginer Stadtrats wurde und sich für die Fertigstellung des Eisenbahnnetzes stark machte, das ihm direkten Zugang zu den lukrativen Märkten im Süden eröffnete.
Ihre skrupellose Entschlossenheit war gepaart mit sozialem Gewissen. John war Direktor der Elgin and Lossiemouth Harbour Company, begründete 1841 die Rothes Rifle Corps und die Elginshire Volunteers und sorgte für Bau und Einrichtung einer Mädchenschule. 1820 hatte James als junger Mann am berühmten Sturm auf Elgin, dem letzten Clan-Aufstand der schottischen Geschichte teilgenommen. Beide Männer legten Wert auf gute Beziehungen mit den Arbeitern der Brennerei und der Gemeinde, ein Führungsstil, der über drei Generationen erhalten bleiben sollte.
1872, als James' Sohn die Brennerei im Alter von 25 Jahren erbte, dominierte Speyside bereits die Whiskyindustrie. Bekannt unter dem Namen "der Mayor", baute er Glen Grants Kapazitäten aus und verwandelte es in ein einflussreiches Unternehmen. 1877 verdoppelte er die Mälzereien, baute eine neue Mühle und Gärbottiche, um die beiden zusätzlichen Brennblasen zu versorgen. Kühlgeräte wurden eingebaut, und bereits 1886 gab es bei Glen Grant elektrisches Licht! 1898 kaufte er Malzmühlen in der Nachbarschaft und baute sie in eine zweite Brennerei um, die sogenannte Glen Grant Nr. 2 (die 1965 als "Caperdonich" wieder eröffnet wurde). Der dort produzierte Whisky gelangte über eine Leitung, die berühmte "Rothes Whisky Pipe", ins Lagerhaus. Der Major verkaufte Glen Grant bis in die fernsten Ecken des Empire und brachte als Pionierleistung 1900 den ersten Single Malt heraus. Heute sind bis zu 40% der Produktion von Glen Grant Single Malts.
Die Energien des Majors schienen ohne Grenzen. Er zeugte zehn Kinder, war ein legendärer Jäger, Schütze und Fischer, baute ein üppiges Herrenhaus neben der Brennerei und erweiterte die Gärten auf über acht Hektar, legte Obstgärten an und ergänzte die einheimischen Pflanzen durch alle exotischen Entdeckungen der weitgereisten viktorianischen Botaniker. Er ging auf Grosswildjagd in Indien und Afrika, wobei er einmal unerschrocken seine junge zweite Frau ins Herz des Matabelands mitnahm und "ein halbes Dutzend Schlangen vor dem Frühstück schoss und Krokodile an den Wasserlöchern erlegte". Der mitgeführte Vorrat an Glen Grant diente angeblich der Vorbeugung gegen die tödlichen Krankheiten Malaria, Gelb- und Schwarzfieber.
Auf dieser Expedition rettete er zwei ausgesetzte Kinder, brachte das eine nach Rothes und nannte es Biawa Makalaga. Biawa, weil er am Wegrand gefunden wurde und Makalaga, weil sein Stamm, die Kalanga, bei den Europäern so hiessen. Biawa ging in Rothes zur Schule und wuchs mit einem starken schottischen Akzent auf, wurde später Butler des Majors und lebte bis 1972 im Herrenhaus von Glen Grant.
Der Major wirkte auch als Wohltäter für die Gemeinde, gab Geld für die Highland Liga Fussballmannschaft und stiftete einen Teich für das Curling. Ferner übernahm er die Direktorenstelle seines Onkels in der Eisenbahngesellschaft von Moray.
Vielleicht haben solche Höchstleistungen ihre Schattenseiten. Der Major war seinen Töchtern, von denen drei ihn überlebten, ein eher tyrannischer Vater und traute keiner zu, seine Nachfolge anzutreten. Statt dessen liess er 1931 seinen Enkel kommen, einen Mann, der ganz andere unternehmerische Fähigkeiten an den Tag legen sollte. Douglas Mackessack hatte eine aufwändige Bildung in Rugby und Oxford erhalten, spielte Kricket für Schottland und geriet in den 1940er Jahren in Kriegsgefangenschaft. Er hatte sich nicht gewünscht, die Leitung von Glen Grant zu übernehmen, aber er akzeptierte die Aufgabe als seine Pflicht. Noblesse oblige. Er führte eine private Pension für die Arbeiter ein und befreite sie von dem Zwang, sich mit fünfundsechzig zur Ruhe zu setzen. Zudem verwandelte er das Herrenhaus in Wohnungen für seine Mitarbeiter und gab ihnen Wohngeld. Er reiste in ganz Grossbritannien herum und knüpfte profitable Beziehungen mit Wein- und Spirituosenhändlern sowie dem Einzelhandel. Dann riskierte er es, einem italienischen Händler namens Armando Giovanni eine Lieferung Whisky zu verkaufen und legte so den Grundstein für die heutige Vormachtstellung von Glen Grant auf dem italienischen Markt.
Aber Douglas Mackessack war nicht nur ein humaner Manager und cleverer Geschäftsmann. Er besass die Voraussicht, Glen Grant gegen die kommenden Nachkriegsrezessionen abzusichern, indem er die Brennerei in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung verwandelte. Dazu schloss er sich 1952 zuerst mit George J.G. Smith zusammen und bildete 1972 mit Hill Thomson and Co. Ltd. "The Glenlivet Distillers Ltd.". Schliesslich erkannte er die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung, um seinen Expansionskurs fortzuführen, und sprach sich 1978 für die Übernahme durch Seagram aus. Er starb 1987 als allseits geachteter Mann.
Bob MacPherson, der kürzlich pensionierte Manager von Glen Grant, hat mich über die jüngsten Entwicklungen der Brennerei aufs Laufende gebracht. Der kleine, ruhige, fast schweigsame Mann hat einen verschmitzten Humor und kennt eine Menge Geschichten aus den alten Tagen, besonders über entgegenkommende Zöllner und den Erfindungsreichtum der Einheimischen, wenn es ums Whiskyklauen ging. Es gelang den Leuten immer wieder, die "Whiskyleitung" anzuzapfen, doch noch profitabler war es, abzuwarten, bis der Whisky nachts auf einem Seitengleis in Elgin auf den Abtransport wartete. Da gab es Spezialisten, die erst die Wagonwand und anschliessend das Fass durchbohrten, um den Whisky abzusaugen. Wenn die Zöllner bei der Ankunft unerklärliche Mengenverluste entdeckten, wurde der Malt bereits in Speyside verhökert.
Bob erklärte, wie Seagram die Brennerei rationalisierte und erweiterte. Seagrams erhöhte die Zahl der hölzernen Gärtanks auf zehn und baute 1986 ein prächtiges neues Brennhaus, wobei nur zwei der alten Brennblasen erhalten blieben und sechs neue, ganz nach den alten Massen, inklusive der berühmten "Purifiers", gebaut wurden, die John Grant für die Originale erfunden hatte (im wesentlichen ein effizienteres Rückflussstem). Über dem Wasserlauf, welcher die Brennerei speist, ist "Wee Geordie", eine der alten genieteten, kohlebeheizten Brennblasen aufgestellt, die Schwester von "Geordie" aus Glen Grant Nr. 2, benannt nach dem Mann, der das Feuer schürte.
Der Major führte seiner Zeit Besucher mit Vorliebe durch die Gewächshäuser voller Orchideen, Melonen, Pfirsiche und Trauben in den weitläufigen Garten. Die Gewächshäuser sind verschwunden, aber den wunderbar wiederhergestellten Garten sollte man sich nicht entgehen lassen. Wir gingen am Caperdonich Well vorbei, aus dem das Wasser für die Maische gewonnen wird, durch ein breites Tal voll einheimischer und exotischer Pflanzen, Blumen und Bäume, einen Lilienteich entlang und zum Wasserfall hinauf. Hier zwängt sich das Flusswasser durch eine Schlucht und stürzt geräuschvoll über eine Klippe in den Garten. Wie zu Zeiten des Majors gelangt der Besucher über einen robusten, hölzernen Fussweg zur oberen Kante des Falls, wo sich im Felsen ein Safe mit Gläsern und Flaschen mit Glen Grant befindet. Der saubere, blass-goldene Malt kann pur verkostet werden, aber entfaltet seinen ganzen Zauber mit dem braunen, kalten Wasser, das man mit einem Seil aus dem Bach zieht.
Glen Grant wird als Fünf- und Zehnjähriger verkauft. Es ist Bob MacPherson egal, was die Leute mit dem Fünfjährigen machen,-in Italien wird er zu allerlei Mixgetränken verarbeitet oder auf Eis serviert. Aber der Zehnjährige, welcher auf Holztennen im eigenen Lagerhaus gealtert wird, liegt ihm am Herzen. Er zieht ihn sogar den Whiskys vor, die länger gelagert oder in Sherryfässern verfeinert werden. Beide werden im einladenden neuen Teil des Besucherzentrums verkauft, während in einem anderen Teil der Destillerie das Arbeitszimmer des Majors aus dem Herrenhaus nachgebildet ist. Hier sieht sich der Besucher einem Wald bedrohlicher Geweihe gegenüber, ein Leopardenfell hängt an der Wand, aber auch eine gerahmte Kopie von Scott Skinners Bild "James Grant and Gladstone Reel".
Solche Originale sind ausgestorben. Aber seien wir nicht undankbar: Der Whisky wird weiterhin hergestellt.

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