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Ein Hoch auf Dufftown

Von Gordon Liddell, Copyright 2002 The Scotch Malt Whisky Society

Wenn wir unser Glas auf Dufftown erheben, sollte Gordon Brown, der englische Finanzminister, mittrinken! Schenkt man den Touristenbroschüren Glauben, so exportiert Dufftown wertmässig wahrscheinlich mehr und erwirtschaftet pro Kopf der Bevölkerung mehr Kapital als irgendeine andere Stadt in Grossbritannien.

Die Leute dort sagen:
"Rome was built on seven hills, Dufftown was built on seven stills."
(Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, Dufftown auf sieben Destillen.)

Das Jahreseinkommen der drei Brennereien von United Distillers and Vintners Ltd., nämlich Glendullan, Mortlach und Dufftown, beträgt 180 Millionen Pfund.
Dufftown ist ein sauberer, etwas strenger Ort im schottischen Hochland, etwa zwanzig Meilen südlich von Elgin. Gründervater James Duff, der 4. Earl von Fife, wollte 1817, nach den napoleonischen Kriegen, Arbeitsplätze schaffen. Die Strassen sind in Kreuzform angelegt, in dessen Schnittpunkt der architektonische Hauptakzent der Stadt liegt, der Glockenturm. Die Legende besagt, dass die Glocke den Lokalhelden MacPherson "gehängt hat". Die Besucher kommen, gaffen und stärken sich mit einem Dram.

Unterhalb der Stadt, am Ufer des Dullan, liegt die Dufftown Distillery. Ganz in der Nähe befindet sich die stillgelegte Pittyvaich Distillery und weiter flussabwärts Mortlach. Nach alter Sitte und Gewohnheit heisst der Whisky Dufftown-Glenlivet, ein Zusatz, der in den ersten Jahren rechtmässig zu Werbezwecken erworben wurde, auch wenn das Tal des Livet eigentlich auf der anderen Seite der Zwillingsgipfel von Ben Rinnes liegt und der Whisky die fremden Federn längst nicht mehr benötigt.

Die Beliebtheit der Speyside Whiskys zog in den 1890er Jahren zwei Liverpooler Geschäftsleute, Peter Mackenzie und Richard Stackpole, nach Dufftown. Mit John Symon und einem einheimischen Rechtsanwalt verwandelten sie Symons Sägewerk und Getreidemühle in eine Brennerei. Auf dem oberhalb gelegenen Hügel besass Symon auch einen Hof, der Gerste für die erste Destillation im November 1896 lieferte. Das Wasser für die Destillation kam von der Highlandman John's Well oder Jock Well, welche in den Conval Hügeln etwa vier Meilen entfernt entspringt. Heutzutage fliesst es durch Röhren zur Destillerie, aber in jenen Tagen wurde es durch Kanäle geleitet. Da der bereits etablierte Mortlach dieselbe Quelle benutzte, wurde das Wasser nachts gelegentlich von rivalisierenden Destilleriearbeitern abgezweigt und wieder zurückgeleitet. Obwohl beide Brennereien heute dem gleichen Mutterhaus angehören, sind Diskussionen über die Wasserverteilung noch immer heikel.

Dufftown-Glenlivet florierte, und als Mackenzie 1898 ein Blending Unternehmen in Edinburgh gründete, produzierte er für eine ständig wachsende Nachfrage in Amerika. Die amerikanische Prohibition war ein herber Rückschlag, und 1933 konnte Arthur K. Bell für die lächerliche Summe von 56'000 Pfund das gesamte Unternehmen übernehmen, einschliesslich Dufftown und Blair-Atholl Distilleries sowie 120'000 Gallonen (5 500 Hektoliter) guten Malt mit 57,1% Alkohol. Die Firma Bells, die Dufftown weiterhin für Blends schätzte, fusionierte 1985 mit Scottish Malt Distillers zu United Distillers. Nach der Übernahme durch das Guinness Imperium wurde 1998 durch eine weitere Fusion mit Grand Metropolitan United Distillers and Vintners Ltd. geschaffen. Dabei nahm die Produktion stetig zu. 1968 wurde die Zahl der Brennblasen von zwei auf vier verdoppelt, so dass Dufftown-Glenlivet in den siebziger Jahren drei Millionen Liter Alkohol im Jahr produzierte. Heute beträgt die Kapazität vier Millionen Liter, nachdem 1979 weitere zwei Brennblasen, ein Maischebottich und eine neue Gerstenmühle dazukamen.

Wenn man sich der Destillerie in Kenntnis dieser Zahlen zum ersten Mal nähert, ist man überrascht. Die Brennerei zwängt sich zwischen den reissenden Fluss Dullan und das Steilufer, über dem die Pittyvaich Farm liegt. Das Pagodendach ist hinter dem rauhen Steingiebel der alten Mühle verborgen. Allein die Hinweistafeln bestätigen, dass man am rechten Ort ist.
Was an der Dufftown Distillery begeistert, ist der Erfindungsgeist, mit dem die sukzessiven Kapazitäts-erweiterungen innerhalb der alten Mauern bewerkstelligt wurden. Der Umbau von 1968 wurde durch die Schliessung der Mälzerei und einen kleinen Anbau im hinteren Teil des Gebäudes ermöglicht, der Platz für die zusätzlichen Brennblasen schuf. Heute nehmen die sechs birnenförmigen Brennblasen den gesamten Platz im Destillierhaus ein. Die Lücke zwischen den beiden ältesten Brennblasen ist so klein, dass sich Besucher ein Bein nach dem anderen hindurch zwängen müssen. Der Brennmeister muss ein paar Stufen unter den Stützblock klettern, um den Alkoholbehälter zu erreichen. In der wunderschön wieder hergestellten Maischerei stehen zwölf Edelstahl-Gärtanks, die heute der leichteren Erreichbarkeit halber von unten befüllt und entleert werden. Der Maischebottich befindet sich neben den Brennblasen, und die Mühle ist jetzt direkt unter der Pagode. Wohin man schaut, überall sind riesige Geräte, wie z.B. die Reinigungsanlage für den Maischebottich und die Gärtanks, geschickt in irgendwelchen Nischen untergebracht. Beherrscht wird das Bild von den kolossalen roten Eisen- und Stahlträgern, welche die alten Stützmauern ersetzten, um die Arbeitsfläche zu vergrössern.

Hier ist kein Platz für Sentimentalitäten. Verschwunden ist das Wasserrad der Mühle, das bis in die späten sechziger Jahre das Rührwerk des Maischebottichs antrieb. Drei hölzerne Gärtanks wurden 1998 durch welche aus Edelstahl ersetzt. Die Brennerei geht mit ihren Ressourcen extrem sparsam um. Das heisse Wasser wird rezykliert und einer Vielzahl weiterer Verwendungen zugeführt. Die Rückstände werden getrocknet und zu Sirup verarbeitet oder in einer Futterfabrik zusammen mit Getreiderückständen zu Rinderfutter weiterverarbeitet. Selbst während grösserer Umbauprojekte wird die Produktion möglichst wenig unterbrochen. Dufftown arbeitet mit nur neun Angestellten fünf Tage die Woche rund um die Uhr. Alle Aspekte des Brennprozesses lassen sich in dem kleinen Kontrollraums am Computerbildschirm überwachen.

Gordon Donoghue, der alle drei UDV Destillerien in Dufftown leitet, ist mit seiner Umgänglichkeit und seinem Humor ein typischer Glasgower. Er vertraut auf die Zukunft der Dufftown Distillery, was übrigens auch die drei Millionen Pfund belegen, die in den vergangenen drei Jahre in die Renovation von Maische- und Destillierhaus gesteckt wurden. Er lässt durchblicken, dass 98% der aktuellen Produktion für die Blends der eigenen oder anderer Firmen bestimmt sind. Der fünfzehnjährige Single Malt mit 43% Alkohol, der in Dufftown produziert wird, ist also eine ziemliche Rarität.

Auf meine kritische Fragen zur Qualität des Malt verweist Donoghue auf die hohen Ansprüche der Blendmeister. Er betont die erstklassigen Rohstoffe, die gleichbleibende Qualität, aber vor allem die sorgfältige Auswahl der Fässer, in welchen der Whisky gelagert wird. "Wozu sollen wir alles unternehmen, um Spitzenqualität zu erhalten und den Whisky dann in ein Holz mit fragwürdiger Vergangenheit füllen?" Um die Qualität des Fünfzehnjährigen zu belegen, holt er John McDonald, der die Brennerei durch die meisten Veränderungen der letzten dreissig Jahre begleitet hat. Dufftown ist Johns Lieblingsmalt, und er schenkt ihn in seiner nachdenklichen, gemessenen Art feierlich aus. John unterstreicht den Unterschied zwischen dem ungestümen Mortlach ("einer reicht und man schläft") und dem sanften Dufftown, "von dem man zwei oder drei Drams trinken und wirklich geniessen kann". Also ein Whisky, den man die ganze Nacht schlürfen kann? "Na, na, nach dreien verliert man die Zunge und kann genauso gut einen Blend trinken." Und während die schwereren Whiskys einen besonderen Anlass brauchen, kann man den Dufftown jederzeit geniessen. Seine Worte verwandelten das blasse Gold in der Flasche in einen Schatz mit ganz besonderen Qualitäten.

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